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Was internationale Kongressveranstalter von der Hauptstadt halten
03.07.2005
Berliner Zeitung 03.07.2005
"Halt, stehen geblieben", sagt der DDR-Polizist. In Berlin können Touristen jetzt mit Trabis durch die Stadt fahren.
Fred Diniz ist ein Mann, der sich nicht so einfach beeindrucken lässt. Der Vize-Präsident einer großen New Yorker Werbeagentur kennt praktisch jede Metropole auf der Welt. Man könnte ihn als Scout bezeichnen, aber der Amerikaner spürt keine Trends auf, sondern geeignete Städte für Kongresse und Tagungen für seine Kunden. Diniz steigt stets in den teuersten Hotels ab, er isst in den besten Restaurants, er wird von Chauffeuren gefahren -doch als er auf einmal hinterm Lenkrad eines Trabis sitzt, gerät der New Yorker aus dem Häuschen.
"Das ist wirklich witzig", wiederholt er ein ums andere Mal, während er das Auto im Konvoi mit weiteren Trabis durch die Berliner Innenstadt steuert. Die "Trabi-Safari" ist eine Überraschung für die 208 Vertreter von Firmen, Verbänden und Kongressagenturen aus 15 Ländern, die auf Einladung der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) drei Tage in der deutschen Hauptstadt verbringen. Sie sind Teilnehmer des Fachworkshops "Meeting Place Berlin". Am Freitag stehen Termine mit Berliner Kongressveranstaltern und die Besichtigung großer Veranstaltungshallen wie ICC und Estrel auf dem Programm.
Doch an diesem Donnerstag soll den Gästen die Stadt von ihren schönsten und aufregendsten Seiten präsentiert werden. Los geht es am Gendarmenmarkt, da die meisten Teilnehmer in den umliegenden Grand Hotels untergebracht wurden. Doch bereits am Schlossplatz ist die Busfahrt zu Ende. Ein als DDR-Polizist verkleideter Mann sagt: "So, finish here", die Frauen und Männer steigen in die bereit gestellten Trabis um. Am Treptower Park wird die Tour mit einer Schiffsfahrt fortgesetzt.
Den meisten in der Reisegruppe gefällt, was sie sehen, auch Diniz, der schon ein paar Mal in Berlin war. Trotzdem sagt er, in seiner Branche gehöre Berlin zur B-Kategorie. Berlin könne sich mit Städten wie Madrid oder Wien messen. Rom, Paris oder London hingegen würden in einer höheren Liga spielen. Der Grund: "Ihr habt zu wenig transatlantische Flugverbindungen." Dabei biete die Stadt alles: viel Kultur, Architektur, gute Kongresshallen und fantastische Hotels mit einem erstklassigen Service.
Das Adlon zum Beispiel gehört für den New Yorker zu den fünf besten Hotels der Welt. Im November war er dort, um ein Meeting für Mitarbeiter seiner international agierenden Firma zu veranstalten. Seine Kunden jedoch kann Diniz wegen fehlender Direktverbindungen nur selten nach Berlin locken. Da nutze es auch nichts, dass die Hotelzimmer hier so billig seien. Diniz sieht noch ein anderes Problem, nämlich dass er in New York nichts von Berlin sieht. Dagegen gebe es überall in Manhattan Plakate, auf denen andere europäische Städte für einen Besuch werben. "Kann es sein, dass ihr nicht genug Werbung macht", fragt er. Trotz des starken Euro, der für Amerikaner das Reisen teurer gemacht hat, sei das Interesse an Berlin wegen der gemeinsamen Nachkriegsgeschichte sehr groß. "Die Amerikaner sind Berlin seit Kennedy verbunden", sagt er.
Während Diniz bei der Vermarktung auf das Alte setzt, sagt die Schweizerin Jeanne Catala, dass das neue Berlin den eigentlichen Reiz ausmache. Im Ausland würde die Stadt immer noch mit der Mauer verknüpft und dem Leid, dass die Bevölkerung unter der Teilung ertragen musste. "Das Image von Berlin ist viel zu ernst", sagt die Schweizerin. "Dabei ist Berlin die heißeste Stadt in Europa." Catala, die in der Nähe von Genf eine Veranstaltungsagentur besitzt, sagt, sie würde ihren Kunden aus der Pharmabranche oft Berlin vorschlagen. Aber die sagen: "Liegt Berlin vielleicht am Meer" und entscheiden sich dann doch lieber für eine Stadt in Südeuropa." Doch Berlin sei ganz anders als sein Ruf: Voller Lebensfreude, grün und überhaupt nicht hektisch. Besonders mag Catala die Beachbars an der Spree. Sie sagt: "Berlin hat zwar kein Meer, aber dafür viele Strände.
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