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Modemetropole Berlin

19.06.2007

Berlin etabliert sich als europäische Designmetropole und bietet modische Vielfalt von Haute Couture bis Streetwear

Neben Paris und Mailand macht sich derzeit auch Berlin einen Namen als europäische Modemetropole: Junge und kreative Designer zieht es in Scharen in die deutsche Hauptstadt, immer mehr Unternehmenszentralen eröffnen ihre Showrooms an der Spree und zu Beginn des Jahres nahm die Unesco Berlin ins „globale Netzwerk der kreativen Städte“ auf. Seit dem 19. Januar 2006 trägt die deutsche Hauptstadt den offiziellen Titel „Stadt des Designs“. Rund 350 vorwiegend junge Designer und Createure haben sich derzeit in der deutschen Hauptstadt niedergelassen. Das Spektrum in Sachen Mode reicht von Haute Couture in Einzelstücken über Kleinserien und Konfektionen bis hin zur Urban und Streetwear.

Mode in Berlin - diese Verbindung hat eine lange Tradition. Bereits in der ausgehenden Preußen-Ära war Berliner Chic dafür bekannt, frecher und exaltierter als Pariser Couture zu sein. In den Golden Twenties avancierte Berlin gar zur führenden Modemetropole Europas. Nach dem Mauerfall entwickelte sich die Stadt erneut zum Magneten für Designer und Kreative, die unerschöpflichen Erfindungsreichtum bewiesen und neue Trends setzten. So wurde die Recycling-Mode, beispielsweise von Jörg Pfefferkorn oder Next G.+U.R.+U Now zum Designhit der neunziger Jahre. Experimentelle und improvisierende Elemente sowie die Nähe zur Kunst charakterisieren bis heute wesentliche Teile der Berliner Modeszene. Sieben Modeschulen sorgen an der Spree für die Ausbildung des kreativen Nachwuchses, der häufig auch nach seinem Abschluss der Stadt treu bleibt.







Modemessen präsentieren neue Kollektionen

Die bunte Modeszene an der Spree ist somit ein idealer Nährboden für neue Ideen,
gleichzeitig gewinnt die Stadt an besonderer Attraktivität für Mode-Professionals jeglicher Couleur. Eine Vielzahl an Fachmessen, wie die „Bread and Butter“ und die „Premium“, machen die Stadt mittlerweile zum Mode-Mekka und einer bedeutenden Plattform für aktuelle Trends. Die Modemesse „Premium“, öffnete zeitgleich zur „Bread and Butter“ vom 26. bis 28. Januar ihre Pforten. Zeitgleich zur „Berlin Fashion Week“, im Juli 2007 wird auch die „5th Floor“ starten.

Medien und Mode: Eine anziehende Symbiose

Dass Berlin in Sachen Trends den Ton angibt, zeigen auch die jüngsten Entwicklungen in der Film- und Medienbranche, die seit je her als ausgesprochen modeaffin gilt: Das Entertainment-Event Popkomm (nächster Termin 19.09.-21.09.2007), eine der bedeutendsten Musikmessen Europas, hat seinem langjährigen Veranstaltungsort Köln im Jahr 2004 den Rücken gekehrt – und ist nach Berlin gezogen. Junge Unternehmen wie MTV und Universal haben sich unlängst ebenfalls an der Spree niedergelassen und demonstrieren überzeugend, wie eng Mode, Medien und Trends zusammengehören.

Ein gelungenes Beispiel für diese anziehende Symbiose war der MTV Pop-Up-Store, ein mobiles Fashionspektakel, das Szenemode und Trendwaren für jeweils nur eine Woche in Berlin und einigen anderen deutschen Städten anpries. Das Konzept ging auf, eine Neuauflage in 2007 ist also nicht ausgeschlossen.

Ein Guerilla Store erobert von Berlin aus die Welt

Auf Mund-zu-Mund-Propaganda und den Reiz des Verborgenen setzt auch der Guerilla Store des japanischen Edellabels Comme des Garçons. Bewusst abseits der gängigen Einkaufsmeilen hatte sich dieses Designermoden-Geschäft vor zwei Jahren erstmals in der Chausseestraße in Berlin-Mitte eingerichtet. Nach einem Jahr wurde der Laden, trotz seines großen Erfolgs, im Februar 2005 wieder geschlossen – denn Überraschungseffekte und Flexibilität gehören zum Credo der Macher: Guerilla-Taktik eben. Nach einem kurzen Intermezzo in der Karl-Marx-Allee und längerer Abwesenheit ist der Trendshop nun unerwartet in die deutsche Hauptstadt zurückgekehrt: Seit Ende Mai 2006 logiert er erneut in Berlin-Mitte, eine Ecke weiter, im zweiten Hinterhof der Brunnenstraße 152 – das Ende des Projekts ist noch offen. Wer es in Berlin nicht mehr schafft, dem trendigen Store einen Besuch abzustatten, sollte sein Glück in Hongkong, Reykjavik oder Warschau versuchen: Nach der erfolgreichen Eröffnung des ersten Geschäfts an der Spree wurden rund um den Globus an ausgewählten Standorten einige weitere Filialen auf Zeit gegründet.

Design made in Berlin: Der berlinomat

Mindestens ebenso erfolgreich präsentiert sich einheimisches Design in der deutschen Hauptstadt, zum Beispiel im berlinomat. Das Geschäft im szenigen Stadtteil Friedrichshain vereint die Waren von mehr als 150 Berliner Designern unter einem Dach, darunter Bekleidung, Schmuck und Sonnenbrillen sowie Designaccessoires und Möbel.

Doch auch andernorts sind Berliner Labels und originelle Trendläden zuhauf ansässig. Ein Bummel über die Oderberger Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg wird da für Fashion-Victims schnell zur Offenbarung: Hier finden sich freche junge Berliner Labels wie Hasipop, der Showroom der Esmod-Absolventinnen Andrea Hartwig und Sarah Elbo (Hartbo + L’wig) oder Kauf dich glücklich! – ein kunterbunter Laden, in dem es neben Eiscreme-Kreationen aus der Waffel (mögliche Zutaten: Olivenpaste und Schafskäse!) allerlei Accessoires, Spielzeug und andere Kleinigkeiten gibt. Und der Name ist Programm: Selbst das Mobiliar darf hier mitgenommen werden. Gegen Geld, versteht sich.

Gleich um die Ecke, in der Kastanienallee, trifft man auf Luxus International: ein Geschäft, das diversen Künstlern Verkaufsflächen zur Verfügung stellt. Rund 60 Kreative und Designer präsentieren hier ihre Waren, entsprechend bunt ist das Sortiment: Es reicht von Mode über Accessoires und Schmuck bis hin zu Spielen und skurrilem Tand jeder Art. Ebenfalls in der Kastanienallee – und neuerdings auch in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte – haben Ralf Hensellek und Thomas Mrozek ihre Geschäfte. Beide gründeten 1995 das Label Thatchers, hinter dem sich exaltierte Damenmode für die Business-Frau zwischen 20 und 45 Jahren verbirgt. Die Kollektionen, die auch auf Pariser Laufstegen regelmäßig für Furore sorgen, veranschaulichen eindrucksvoll, wie erfolgreich Berliner Chic auch international ist: Mehr als 50 Prozent der Thatchers-Verkäufe gehen mittlerweile ins Ausland.

In den Galeries Lafayette, dem beliebten Kaufhaus an der legendären Friedrichstraße ist man ebenfalls auf die „Mode made in Berlin“ aufmerksam geworden und betreibt in Zusammenarbeit mit der Modeschule Esmod „Labo Mode“, eine Plattform für junge Nachwuchsdesigner. Jeweils drei Monate lang haben diese die Möglichkeit, ihre Kreationen auf einer ausgewählten Verkaufsfläche vorzustellen.

Internationale Designer, neue Showrooms und Mode im Museum

Internationale Designer zieht es dagegen zunehmend an den Kurfürstendamm. Zwischen Bleibtreustraße und Olivaer Platz haben sich die schicksten und elegantesten Modehäuser angesiedelt, von Escada bis Versace, von Jil Sander bis Prada. Neben Chanel und Cartier gehören mittlerweile auch Valentino und Gucci dazu.

Trendlabels internationaler Designer bietet seit Sommer 2005 „F 95“, der Store zur „Premium“ an. In dem nach seiner Adresse in der Frankfurter Allee 95 benannten Geschäft sind speziell die internationalen Labels zu finden, die auch auf der Modemesse Premium vertreten sind.

Im Osthafen am Spreeufer haben mehrere internationale Modemarken die Eröffnung neuer Showrooms gefeiert. Ab Herbst 2006 präsentieren sich in der alten Lagerhalle neben dem Sitz des Fernsehsenders MTV unter dem Titel „Berlin Labels“ Marken wie Hugo Boss, Marc Cain und Orwell.

Nicht nur aktuelle Mode sondern auch die Trends der letzten 200 Jahre kann man seit neuestem im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum besichtigen. Dieses hat im vergangenen Jahr auf Anregung der renommierten Designerin Vivienne Westwood –
Erfinderin der Punkmode und bis vor kurzem an der Berliner Universität der Künste (UdK) tätig – die Modesammlung Kamer / Ruf erworben. Die Kollektion ist eine der weltweit größten Privatsammlungen von Mode und Accessoire des 18. bis 20. Jahrhunderts und zeigt prachtvolle Kleider und opulente Kostüme, von der höfischen Robe im französischen Stil bis zu Coco Chanel und Yves Saint Laurent.

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