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Hochhausclubs, Country-Saloons und Russendisko

19.06.2007

In Berlin feiert man unkonventionell und an den ungewöhnlichsten Orten

Bei Fußball-WM im Sommer 2006 erlebte die ganze Welt, wie gut die Deutschen feiern können. Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Offenheit herrschte nicht nur in den Sportstadien und Viewing Points vor, sondern auch in den Clubs der Hauptstadt. Die Stadt, die keine Sperrstunden kennt, ist bekannt für ihr wildes Nachtleben, das immer wieder neue Trends hervorbringt.

Feiern mit der Stadt zu Füßen

In der Spreemetropole feiert die Szene derzeit die besten Partys hoch über der Stadt. Der wohl angesagteste Partyort mit Panoramablick ist dabei das Week12end. Der Club logiert im „Haus des Reisens“ direkt am Alexanderplatz, dem Zentrum des ehemaligen Ostens. An drei Seiten der Location können die Partygäste durch die endlosen, deckenhohen Glasfenster auf die Stadt blicken. Alexanderplatz, Berliner Dom und Hackescher Markt liegen den Clubgängern quasi zu Füßen. Auf Grund seines minimalen Designs, das den Ausblick in den Mittelpunkt rückt, erhielt das Week12end am 3. November 2006 den „Architekturpreis 2006“. Mit diesem Preis würdigt die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer herausragende Projekte in Berlin. Der Nachtclub wurde u. a. neben dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas ausgezeichnet. Aber nicht nur für sein dezent grau-schwarzes Ambiente ist der höchste Club der Stadt berühmt, sondern auch das Lineup lockt das Szenevolk jedes Wochenende an. Internationale Größen der elektronischen Dance-Szene stehen im Week12end regelmäßig an den Decks, das DJ-Duo Tiefschwarz lädt monatlich zur Clubnacht ein und auch Sven Väth oder Michi Beck von den Fantastischen Vier legen im Week12end gerne auf.

Der Ausblick vom 40 Seconds lässt die Gäste ebenfalls sprachlos werden, denn die Augen der Nachtschwärmer ruhen auf dem illuminierten Sony Center, der Philharmonie und der Neue Nationalgalerie. Der Club erstrahlt im edlen Design: Marmorfußboden, eine Cocktailbar aus dunklem Holz und drei Dachterrassen versüßen die Partynacht. Benannt ist der Club übrigens nach den 40 Sekunden, die der Aufzug in den achten Stock benötigt. Am Freitag tanzt in dem Szeneclub das jüngere Publikum zu Black Music, während am Samstag die Thirtysomethings sich zu House Music amüsieren.

Wer das Solar erreichen möchte, sollte schwindelfrei sein. Wie ein Pfeil schießt der gläserne Aufzug an der Außenwand des Hochhauses am Anhalter Bahnhof nach oben. Stockwerk um Stockwerk entblättert sich die Stadt vor den Augen des überraschten Betrachters. Vom 16. Stockwerk aus überblickt der Besucher fast die ganze Stadt, vom Alexanderplatz über den Hauptbahnhof bis zum Potsdamer Platz verstellt kein anderes Gebäude den Blick. Das Solar selbst ist Bar und Restaurant in einem und erstreckt sich über zwei komplett verglaste Stockwerke. In der unteren Etage befindet sich das Restaurant, auf deren Speisekarte findet sich vor allem leichte, moderne Küche wieder. Am goldenen Buddha vorbei in der Raummitte geht es die breite Wendeltreppe nach oben in den Barbereich. Auf weißen Ledercouches und einer Schaukel genießt man dort leckere Cocktails und rätselt mit seiner Begleitung, zu welchem Gebäude der Turm mit dem grünen Kubus auf dem Dach wohl gehört.

Die Pan Am Lounge ist ein verborgenes Juwel der Hauptstadt. Im „Haus Eden“ gegenüber vom Zoologischen Garten gastierten in den 60er Jahren vor allem Piloten und Stewardessen der Pan American Airway. Für sie gab es im 10. Stock mit Blick über Charlottenburg eine Lounge. Dicke Teppiche, holzvertäfelte Wände und schwarze Ledersessel entführen den Besucher in die Roaring Sixties als James Bond noch Bikini-Schönheiten vernaschte und Marilyn Monroe zu edlen Cocktail-Partys einlud. Leider finden in der sagenhaften Location keine regelmäßigen Partys statt, dafür kann sie für Events und Fotoshootings gemietet werden.
Das Tor zum Nachtleben: Szene-Kiez Schlesisches Tor

Zwar liegt dem Watergate nicht die Stadt zu Füßen, dafür aber ist der Club so nahe am Wasser gebaut, dass man die Spree rauschen hört. Der Nachtclub liegt direkt neben der opulenten Oberbaumbrücke mit ihren Türmchen. Durch die komplett verglaste Front der beiden Stockwerke sehen die Partygäste beim Tanzen nicht nur die Spree vorbei fließen und die Schiffe vorbei ziehen, sondern sie können auch auf einem Holzponton, das auf der Spree schwimmt, unter dem Sternenhimmel tanzen. Das Watergate hat sich den Undergound-Sounds Drum’n’Bass und Minimal Techno verschrieben. Internationale Star-DJs wie Ricardo Villalobos, Richie Hawtin und Magda legen hier regelmäßig auf. Unterstrichen wird der elektronische Sound dabei durch einen beleuchteten „Discoboden“ à la „Saturday Night Fever“. Der befindet sich jedoch an der Decke und flackert über den Köpfen der Tänzer im Takt wie ein Feuerwerk. Übrigens gilt im Watergate das Motto „I Wear My Sunglasses At Night“ (gemäß dem den Song von DJ Tiga), denn hier wird gerne mal bis weit nach dem
Sonnenaufgang gefeiert, daher sollte man seine Sonnenbrille in der Tat niemals vergessen.

Das Watergate hat den Aufstieg des heutigen Szenekiez Schlesische Straße eingeläutet. Mitten in Kreuzberg zwischen Dönerständen, türkischen Teebuden und heruntergekommen Pinten eröffnete der Club vor vier Jahren, inzwischen hat sich rundherum ein pulsierendes Nachtleben entwickelt. Gleich neben dem Watergate lockt der 103 Club Nachtschwärmer an. Die verwinkelte Location ist bekannt für ihre Videoinstallationen, die bunte Musikmischung und das relaxte Publikum. Im ersten Stockwerk befindet sich die Video-Lounge. Einmal im Monat erarbeiten VJs ein neues Dia-Konzept, so dass man gerne mal sein Bier umringt von illuminierten Madonnen trinkt. Auf den beiden Dancefloors im Erdgeschoss läuft Grime, Baile Funk, HipHop oder Electropop und selbst bekannte Schauspieler wie Daniel Brühl oder Natalie Portman können mitten in Kreuzberg unentdeckt abfeiern.

Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich das Lido. 1951 gab es hier das gleichnamige Kino, später logierte in dem einstöckigen Gebäude eine Rockerdisko und zum Schluss nutzte die Schaubühne den großen Saal als Probebühne. Nun heißt die Location wieder Lido und ist die Heimat von Indie-Fans. Der Club rund um das Karrera-Klub-DJ-Team veranstaltet in dem einstöckigen Gebäude „Alternative“-Partys oder lädt zu Rock-Konzerten. Die urige Holzbar, die sich wie ein S durch den Raum schlängelt, haben die neuen Pächter übrigens bei Ebay ersteigert. Sie befand sich vorher in einer Eckkneipe in Herne mit dem charmanten Namen „Zum flotten Hecht“.

Das kleine Häuschen von Heinz Minki bietet nicht nur einen idyllisch zugewucherten Gastgarten und die familiäre Bar mit hohem Style-Faktor, sondern im ersten Stock versteckt sich auch eine geheime Partywohnung. Zwischen Einbauschrank mit Fernseher und Küchenzeile kann fast wie zuhause gefeiert werden. Gleich nebenan residiert der Freischwimmer. Pittoresk gelegen an einem Spreeseitenarm, sitzen die Restaurantgäste im Rosengarten am Ufer oder im Kaminzimmer und können aus der üppigen Speisekarte mit pan-asiatischer Speisen wählen. Gegenüber befindet sich der Club der Visionäre. Im Sommer erschallt hier Sonntags ab 11 Uhr vormittags elektronische Musik und bereits am Sonntagnachmittag wird kräftig gefeiert.

Schlussendlich lockt an der Schlesischen Straße noch die Arena. Der ehemalige Busbahnhof wurde vor gute einem Jahrzehnt in ein Kultur-Zentrum umgewandelt. Neben der Konzertbühne, locken auch zahllose Clubs die Nachtschwärmer an. Auf dem alten Kutter MS Hoppetosse befindet sich nicht nur ein Restaurant, es steigen auch regelmäßig Reggae und Dancehall-Events. Im Arena Club können Partygänger zwischen alten Maschinen zu harten Techno-Beats feiern und das sogenannte Badeschiff ist längst mehr als ein Geheimtipp. Der Swimmingpool mitten in der Spree lockt nicht nur Brustschwimmer an, die im 24 Grad warmen Wasser ihre Bahnen ziehen: Am Wochenende finden hier auch Klassik-Partys statt. Im Winter wird der Pool nicht etwa zugesperrt, sondern die ganze Location verwandelt sich in ein Saunaschiff. Dann kann man in zwei Saunen mit Blick auf das winterliche Berlin schwitzen. Für die grandiose Winterversion hat das Saunaschiff – wie das Week12end – am 3. November 2006 den „Architekturpreis 2006“ erhalten.

Auch das Kiki Blofeld bietet einen Blick auf die Spree. Der kleine Club hat sich längst von einer illegalen Location zu einem Geheimtipp im Nachtleben gemausert. Versteckt gelegen hinter dem Architekturzentrum an der Köpenicker Straße ist er nur für Insider zu finden. Doch wenn man über den Parkplatz marschiert ist, sich etwas durch die Bäume geschlagen hat, erreicht man das alte Bootshaus. Drinnen sind die ehemaligen Bootsanlegestellen längst überbaut und dienen als Bar und Dancefloor. Eine Anlegestelle haben die Betreiber aber bewusst offen gelassen. Bei der Eröffnung fuhr daher die Band auf einem Boot ein, legte am Dancefloor an und spielte für die überraschten Gäste auf.

Dinner & Dance

Die Zeit, wo sich Nachtschwärmer zuerst in Restaurants und Bars trafen, um dann zur späteren Stunde um die Häuser zu ziehen, ist vorbei. Ein großer Trend im Berliner Nachtleben sind Club-Restaurants. Auf der Rückseite vom Hotel Adlon wird im Felix zuerst edel diniert, im Anschluss daran werden bis zum Morgengrauen die überschüssigen Pfunde abgetanzt. Das Felix gehört dabei zu Berlins ausgewiesenen Promi-Clubs. Robbie Williams tummelt sich hier, genauso wie Boris Becker und Michelle Hunziker. Zwischen Lichtsäulen eingebettet liegt der Dancefloor. Ab 19 Uhr dient dieser jedoch als Restaurant, wo die Gäste unter exquisiten internationalen Gerichten wählen können. Um 23 Uhr werden die Tische, Teller und Gläser dann abgeräumt, die Musik aufgedreht und dann fängt die Party an. Lange Zeit war es im ehemaligen Ost-Berlin verpöhnt, Reichtum zur Schau zu stellen, doch das Felix unweit des Brandenburger Tors hat beim Champagnerkonsum inzwischen selbst den Münchner Schickeria Club P1 hinter sich gelassen.

Das Spindler & Klatt residiert in einer zehn Meter hohen, alten Lagerhalle direkt am Spreeufer. Von der Decke hängen feine Stoffe und umhüllen das Betten-Restaurant sanft. Mutige Gäste können im Liegen auf den weißen Betten speisen, aber auch Tische stehen zur Verfügung. Der Club von Frankie Spindler und Jesko Klatt, der mit der Schauspielerin Annabelle Mandeng („Unter den Spitzen“) liiert ist, wurde liebevoll mit goldenen Buddhas und asiatischem Nippes dekoriert. Die Terrasse an der Spree wird diesen Winter überdacht, so dass man auch in der kalten Jahreszeit wohlbehütet mit Spreeblick dinieren kann. Im Anschluss an das Essen können die Kalorien am Samstag im Clubraum zu House und Electro weggetanzt werden.

Das Bangaluu ist ebenfalls Restaurant und Club in einem. Das Clubrestaurant auf drei Ebenen ist komplett in weiß gehalten. Die Gäste erreichen über einen Laufsteg die Bar im Erdgeschoss. Dort versammeln sich die Restaurantgäste um 20 Uhr auf einen Aperitif, danach werden sie ins Bettenrestaurant geführt, wo sie ein zehngängiges Menü erwartet, das abgerundet wird durch Travestie-Shows, Gesang und Performances. Die Liegewiesen sind so konstruiert, dass man auch sitzen kann, außerdem wird die pan-asiatische Küche portionsgerecht dargereicht, so dass die Speisen ohne Besteck gegessen werden können. Für Gäste, die lieber an Tischen Á-La-Carte speisen, gibt es im zweiten Stock das „Private“. Im dem ebenfalls weißen Raum kann man sich stärken, bevor im Partyraum getanzt wird.

Der Rodeo Club ist Berlins derzeitiger Geheimtipp. Karl Lagerfeld hat gerade mit Bürgermeister Klaus Wowereit im hippen Ambiente gespeist und Starfotograf David LaChapelle flog extra aus den Staaten ein, um mit 600 handverlesenen Gästen die Vernissage seiner Fotoausstellung „Men, War & Peace“ zu feiern. Zwar logiert das Rodeo prominent im historischen Postfuhramt an der Oranienburger Straße, doch wer den Club nicht kennt, findet ihn kaum. Kein Schild verweist an der Straße auf den Club, denn der Eingang befindet sich auf der dunklen Rückseite des Gebäudes und Einlass wird nur mit Tischreservierung oder als Clubmitglied gewährt. Das Clubrestaurant residiert im opulenten Kuppelsaal des Gebäudes und um 20 Uhr beginnt die Speisung. Zwar gibt es nur ein Menü mit drei Gängen, trotzdem ist jeder Platz besetzt und an den Tischen tafeln Werber, Promis und Szenegänger. Im Anschluss wird getanzt, getrascht und gefeiert.


In Clärchens Ballhaus wird für das leibliche Wohl ebenfalls gesorgt. In dem alten Ballsaal leben nostalgische Zeiten wieder auf. Zur deftigen Küche mit Schnitzel und Frikadellen gibt es Tango-Abende, Salsa-Kurse oder Swing-Nächte. Der älteste Stammgast ist bereits über 80 Jahre alt, doch auch hippe Szenegänger frequentieren den unprätentiösen Club. Gesellschaften können übrigens den verborgenen Spiegelsaal im Stockwerk mieten.

Hier tanzte bereits die Schauspielerin Charlotte Rampling Tango, Schockrocker Marilyn Manson stand hinter dem DJ-Pult und die Crew von der „Dreigroschenoper“ rund um Campino, Sänger der Toten Hosen und Klaus Maria Brandauer feierte eine rauschende Party. 40 Jahre diente der Raum als Lagerhalle. Durch diesen Dornröschenschlaf verströmt der Spiegelsaal noch heute den Glanz der Gründerzeit – wenn auch mit einer nostalgischen Patina überzogen. Deckenhohe Spiegel, die über die Jahre blind geworden sind, säumen den Saal. Bacchus-Figuren und Faune grinsen verführerisch von den Wänden und die Decke ächzt unter dem opulenten Stuck. Als richtigen Club wollen die Inhaber das Schmuckkästchen nicht betreiben, doch für Hochzeiten, Firmenfeiern und Filmpremieren kann der Saal gemietet werden.

County-Saloons und White Trash

Auch im White Trash wird Essen und Feiern unter einen Hut gebracht. Doch primär ist der Name Programm. Früher residierte das White Trash in einem alten China-Restaurant auf dessen Mobiliar sich Mick Jagger und Marilyn Manson lümmelten und Josh Homme von den Queens of the Stone Age sich zum Dessert ein Tattoo stechen ließ. Beim Umzug in die Schönhauser Allee wurden alle kitschig-bunten Drachensäulen gleich mit eingepackt. In der neuen Location ergänzt sich der Asia-Einfluss inzwischen mit Elvis-Devotionalien und zahlreichem Trash-Nippes an den Wänden. Dazu sehen die Kellner mit ihren kajalverschmierten Augen aus, als wären sie dem Kultfilm „Clockwork Orange“ entstiegen. Auch die Gäste sind nach wie vor eine Show und reichen von komplett tätowierten Rockern bis zu Rockabilly-Bräuten. Im Keller ist die „Diamond Lounge“, dessen Tresen sich hinter Gitter befindet und auf dessen Bühne es ebenfalls trashig zugeht, wenn Electroclash-Bands mit Kettensägen die Holzbretter auseinander nehmen und dazu singen.

Wenige Meter weiter hat der Countryclub Bassy seit dem 1. Dezember 2006 seine Zelte aufgeschlagen. Seit Jahren tingelt der illegale Club durch Berlin, doch nun hat er in der ehemaligen Pfefferbank eine Heimat gefunden. Albumcover aus den 50er-Jahren zieren die Wände, ein ausgestopfter Wolf scheint in der Ecke zu heulen und die Country-Projektionen an den Wänden lassen Cowboy-Herzen höher schlagen. Auf die Plattenteller kommen Country-, Rockabilly- und Tarantino-Songs und Petticoats, Tollen und Stetson-Hüte sind gerne gesehen.

Electro-City Berlin

Berlin ist das Mekka der Techno-Jünger. Immer mehr Stars der DJ-Szene wie Richie Hawtin, der Halbchilene Ricardo Villalobos oder Monika Kruse ziehen an die Spree. Nicht nur die niedrigeren Lebenskosten wirken wie ein Magnet, sondern vor allem das bunte und wilde Nachtleben der Stadt. Berühmt wurde Berlin weltweit in den 90er Jahren mit Techno, im neuen Jahrtausend ist Minimal Techno in allen Ohren.

Stars wie Hawtin, Väth oder WestBam, für die Gäste in Partystädten wie Ibiza, New York oder Barcelona enorme Eintrittspreise bezahlen müssen, erleben die Berliner Nachtschwärmer jedes Wochenende in ihren Tanztempeln. Besonders ein Club ist dabei Kathedrale und Sündenpfuhl in einem: das Berghain.

Vor zwei Jahren öffnete der Club seine Pforten als Nachfolger des legendären Ostguts, das der Anschutz-Arena beim Ostbahnhof weichen musste. Der Friedrichshainer Club ist weltberühmt wegen des exquisiten Lineups wie Richie Hawtin, Monika Kruse oder Laurent Garnier sowie vor allem auch wegen der Aufhebung der sexuelle und soziale Grenzen. Im Darkroom leben Homosexuelle und coole Party-Ladys ihre Vorliebe für schnellen Sex aus und auf dem Dancefloor feiern bekannte Schauspieler mit Busfahrern – oft bis zum nächsten Nachmittag.

Im Mai eröffnet ein weiterer Klassiker. Nach zwei Jahren Pause kehrt das Tresor zurück. Diesmal residiert die Mutter aller Techno-Clubs in einem stillgelegten Kraftwerk mitten in Mitte unter dem Namen Modem. Auf 22.000 Quadratmeter plant Betreiber und Visionär Dimitri Hegemann ein Museum mit Techno-Club. „Das Modem wird ein Ort für elektronische und mediale Kunst neben der Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof“, sagt Hegemann. Im gleichen Gebäude wird es den Tresor-Partybereich geben für DJ-Auftritte von Sven Väth bis Blake Baxter. Außerdem hat Hegemann den legendären Tresorraum mit Schließfächern, Stahltüre und Gitterstäben in der alten Location ausgebaut und wird sie wie eine Kunstinstallation im Modem neu aufbauen.

Das Rio hat sich weniger Minimal Techno verschrieben sondern vielmehr allen Spielarten elektronischer Musik. Die Faszination vom Rio ist sein Abbruchcharme gepaart mit einem herausragenden Lineup. In der alten Lagerhalle traten bereits Art Brut auf, bevor sie berühmt wurden und die Band Franz Ferdinand drehte in dem Gebäude einen Videoclip. Vor allem der künstlerische Leiter Conny Opper, der mit Skandal-Sängerin Peaches liiert ist, erweist immer wieder ein gutes Händchen für Newcomer und Stars. So gehört es in der Künstlerwelt fast zum guten Ton, das eigene Album vor der Veröffentlichung in den abgerockten Räumen des Rios zu präsentieren, wie es Deichkind im Frühjahr 2006 machten.

Ein heißer Geheimtipp ist der Festsaal Kreuzberg am Kottbusser Tor. Der abgeschrammelte Saal mit der ausladenden Holzbalustrade beherbergt regelmäßig Szene-Events wie die Grime-Party „Revolution Nr. 5“ und ist die Heimat der hiesigen Indie-Szene.



24/7 Party

Berlin ist für sein ausschweifendes Nachtleben berühmt, jeden Abend steigt in einem anderen Club der Stadt eine Party und es kann sieben Tage die Woche gefeiert werden.

Die Institution für Werktagsraver ist das Cookies. Der legendäre Club öffnet ausschließlich am Dienstag und Donnerstag und verweigert sich seit über einem Jahrzehnt dem Party-Wochenende. Wie kein anderer Club steht das Cookies mit für den perfekten Mix aus „Underground“ und Glamour. In der ehemaligen Location in der Charlottenstraße / Ecke Unter den Linden feierten Stars wie Jude Law, Nicolas Cage oder Halle Berry zusammen mit DJ Hell, Michi Beck oder Miss Kitten. Die härteste Tür der Stadt tat ihr übriges zur Legendenbildung. Nach zwei Jahren Pause eröffnete der Kultclub nun wenige Meter weiter in einem Nebengebäude des The Westin Grands. Genauer gesagt im Kinosaal des ehemaligen Französischen Kulturinstitutes. Im holzvertäftelten Ambiente treffen sich dienstags und donnerstags wieder Szene, Schickeria und Lebenskünstler und feiern, als ob es keinen Dienstbeginn gäbe.

Sonntags trifft sich das Partyvolk im Sage Club. Nicht nur nimmermüde Tänzer finden sich in dem Club in der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Straße ein, sondern auch viele Berufstätige, die am Wochenende arbeiten mussten. Egal ob Hotelangestellte oder Krankenschwestern, hier können alle noch einmal richtig abtanzen und zu feistem Techno abhotten. Montags feiert man traditionellerweise im Roten Salon. Der plüschige Club ist ein Nebenraum der Volksbühne an der Rosa-Luxemburg-Straße. Von der Beleuchtung, über die Sofas bis zu den Tapeten ist alles in rot gehalten. Partygäste erfreuen sich an Drum’n’Bass und Broken Beats. Der „MPC Monday Party Club“ im Dante zieht hingegen das schickere Publikum an. Der Club unweit vom Hackeschen Markt ist ein Fixstern für gut gekleidete Youngsters, die zum Wochenbeginn zu House und HipHop tanzen wollen. Und seit Anfang April lockt der Monday Nite Club im neu eröffneten Maxxim. Bereits beim Opening feierten über den Abend verteilt Tausend House-Fans. Der Club befindet sich in einer ehemaligen Polizeiwache in der Nähe des Kurfürstendamms. Am Wochenende tanzt die House-Gemeinde der Stadt hier zu legendären Partys wie „Hed Kandi“ oder „Miss Moneypenny’s“.

Dienstags trifft sich die Party-Szene in der Berlin Bar (bevor es ins Cookies weitergeht). Das exquisite Lineup von Disco Boys bis Tom Novy zieht auch Promis wie Sarah Connor oder Us 5 an. Wer er weniger aufgeregt mag, tanzt zu Danceclassics und Black Music im Steinhaus und Matrix. Mittwochs ist der Hot Spot der Nacht das Q-Dorf nahe dem Kurfürstendamm. Internationale HipHop-Stars wie Busta Rhymes, Black Eyed Peas, Xibit oder Montell Jordan halten hier gerne mal Hof, denn literweise Sangria und knapp bekleidete Mädchen sorgen für Bombenstimmung.

After Work Partys

Gerade der Donnerstag hat sich zum Ausgehtag gemausert. Bei den „After Work“-Partys treffen sich vor allem Berufstätige, um zu den Hits von gestern und heute zu feiern. Die beliebteste Veranstaltung findet im Felix statt. Normalerweise wird der Club von zwanzigjährigen Partygängern bevölkert, jeden Donnerstag bildet sich jedoch eine meterlange Schlange von Erwachsenen vor dem Club im Adlon Hotel und die Thirtysomethings feiern durchaus bis 6 Uhr morgens. In der Amber Suite im Ullsteinhaus, in der Trompete und im Adagio geht es ebenfalls hoch her. Jedoch ist hier erfahrungsgemäß gegen 2 Uhr Schluss. Das Adagio kann sich seit April zu den The World Finest Clubs zählen, zu den 30 besten Clubs der Welt neben P1 (München) oder Kingkameamea (Frankfurt) . Szenigere Tänzer treffen sich jeden Donnerstag im Week12end, wo es erst richtig gegen 1 Uhr morgens losgeht. Einmal im Monat laden die Turntablerocker zur Party ein. Zu dem erfolgreichen DJ-Duo pilgern dann Hunderte Szenegänger, um bis zum Sonnenaufgang den Dancefloor zu bevölkern.

Russendisko

Berlin ist das Tor zu Osteuropa und das spiegelt sich auch im Nachtleben wider. Berüchtigt ist die „Russendisko“ im Kaffee Burger von Wladimir Kaminer. Der russische Literat ist mit seinem gleichnamigen Buch berühmt geworden und lädt alle zwei Wochen zu seiner russischen Party ein. Dabei legt der Hobby-DJ ausschließlich Musik aus seiner alten Heimat auf und der Wodka wird in großen Gläsern gereicht. Da verliert so mancher Gast seine deutsche Zurückhaltung und tanzt schon mal auf dem Tisch.

Seit dem 15. Dezember 2006 betreibt Kaminer nun auch das Rodina. Der Club logiert im S-Bahnhof Jannowitzbrücke in drei Backsteinbögen und lockt nicht nur mit seinem bezaubernden Spreeblick. In den weiten Gewölben veranstaltet Wladimir Kaminer jede Menge fetzige Konzerte und natürlich auch osteuropäische Partys, denn nicht umsonst bedeutet Rodina auf russisch „Heimat“.

Bei den Rendez-Vous-Partys wird hingegen selten auf den Tischen getanzt. Jede Woche steigt die Tanzveranstaltung für die deutsch-russische Elite in einer anderen Location der Stadt. Auf den Tischen stapeln sich stattdessen eher edle Champagnerflaschen und der teuerste Wodka. Die Frauen sind wunderschön und knapp gekleidet in Designerklamotten und so mancher Oligarch fliegt extra für die wilden Partys nach Berlin, um die Champagnerkorken knallen zu lassen.
Im Panther an der Rosenthaler Straße kommt ebenfalls russische Stimmung auf. Das Restaurant serviert georgische Küche und am Wochenende beim „Salon Tbilisi“ auch die dazupassende Musik. Gleich einen Steinwurf entfernt befindet sich die Bar CSSR, wo bei „russisch Wasser“, wie man Wodka pur nennt, bis zum Sonnenaufgang über den Sinn des Lebens philosophiert werden kann. Und am Hackeschen Markt lädt das Oxymoron jedes Wochenende zu bulgarischen, arabischen und russischen Feiern ein.

Der jüngste Neuzugang für die russische Gemeinde ist das Cascade, das am 15. Dezember 2006 eröffnet wurde. Benannt ist die Location nach der beleuchteten Wasserkaskade, die neben dem Eingang die Treppen hinab läuft. Der Besitzer aus Weißrussland hat keine Kosten und Mühen gescheut, um das Cascade langfristig zum besten Promi-Club der Stadt aufzubauen. Neben dem beleuchteten Discoboden, protzt der Club mit Tapeten im Krokodil-Print und einem eigenen VIP-Raum. Durch eine spezielle Glasfront können die VIP-Gäste in den Club schauen, selber aber nicht gesehen werden. Und wen die Partylust dann doch überkommt, der muss den Raum nicht verlassen, sondern kann auf Knopfdruck die Glasfront zur Seite schieben.


Über den Dächern von Berlin

Weekend, Alexanderplatz 5, Mitte, geöffnet Do-Sa, 23 Uhr,
www.week-end-berlin.de

40Seconds, Potsdamer Straße 58, Schöneberg, geöffnet Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 89
06 42 41 www.40seconds.de

Solar, Stresemannstraße 76, Kreuzberg, So-Do, 18-2 Uhr, Fr/Sa, 18-4 Uhr,
Tel. +49 (0)163 765 27 00, www.solarberlin.com

Pan Am Lounge, 10. Stock im „Haus Eden“, Budapester Straße 43,
Charlottenburg, Kontakt über die Homepage panam-lounge.org

Szene-Kiez Schlesische Straße

Watergate, Falckensteinstraße 49, Kreuzberg, Mi/Fr/Sa, 23 Uhr,
www.water-gate.de

103 Club, Falckensteinstraße 47, Kreuzberg Fr/Sa, 23 Uhr, Tel. 69 51 56 12,
www.103club.de

Lido, Cuvrystraße 7 / Ecke Schlesische Straße, Kreuzberg geöffnet je nach
Veranstaltung, Tel. 69 56 68 40, www.lido-berlin.de

Heinz Minki, Vor dem Schlesischen Tor 3, Kreuzberg, Täglich ab 12 Uhr, Tel.
69 53 37 66, www.heinzminki.de

Freischwimmer, Vor dem Schlesischen Tor 2a, Kreuzberg, Winteröffnungszeiten
Do/Fr ab 18 Uhr, Sa/So ab 11 Uhr, Tel, 61 07 43 09,
www.freischwimmer-berlin.de

Club der Visionäre, Am Flutgraben 1, Treptow Mo-Fr ab 16 Uhr, Sa/So, 12 Uhr,
Tel. 69 51 89 44, www.clubdervisionaere.com

Arena, Eichenstraße 4, Treptow, www.arena-berlin.de
Arena Club, Eichenstraße 4, Treptow, je nach Event, 24 Uhr,
www.arena-club.de

MS Hoppetosse, Eichenstraße 4, Treptow, Mo-Fr, 12 Uhr, Sa ab 14 Uhr, So ab
11 Uhr, Tel. 53 32 03 40, www.arena-berlin.de



Badeschiff/Saunaschiff, Eichenstraße 4, Treptow, Mo, 12-22 Uhr, Di, 12-24
Uhr, Mi 14-24 Uhr, Do, 12-24 Uhr, Fr, 12-3 Uhr, Sa, 10-03 Uhr, So 10-24 Uhr,
www.arena-berlin.de

Kiki Blofeld, Köpenicker Straße 48/49, Kreuzberg links vom
Architekturzentrum geradeaus über den Parkplatz gehen, dann rechts Richtung
Strand, Fr/Sa, 23 Uhr, www.kikiblofeld.de

Dinner & Dance

Felix im Adlonpalais, Behrenstraße 72, Mitte, Mi-So ab 19 Uhr, Tel. 206 28
60, www.felix-clubrestaurant

Spindler & Klatt, in der Heeresbäckerei, Köpenicker Straße 16-17, Mitte,
Mi-Sa, 20-1 Uhr, Party am Samstag ab 23 Uhr, Tel. 69 56 67 75,
www.spindlerklatt.com

Bangaluu, Invalidenstraße 30, Mitte, „White Bar“, Di-So ab 20 Uhr,
„Dinnerclub“ mit Bettenrestaurant und Showprogramm: Do-So, 19.30 Ankunft,
20.30 Uhr Seating, 23 Uhr Ende, „Private“ mit Á-La-Carte-Restaurant: Di-So
ab 20 Uhr, Party Fr/Sa ab 22 Uhr, Tel. 80 969 30 77, www.bangaluu.de

Rodeo Club, Auguststraße 5a, Mitte, Fr/Sa, 20 Uhr

Clärchens Ballhaus und Spiegelsaal, Auguststraße 24, täglich ab 12 Uhr, Tel.
282 92 95, www.ballhaus-mitte.de

County-Saloon

White Trash, Schönhauser Alle 6-7, Mitte, täglich ab 18 Uhr, Tel. 50 34 86 68, www.whitetrashfastfood.com

Bassy, Schönhauser Allee 176a, Prenzlauer Berg, Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 0177/77 97 128
www.bassy-club.de

Electro-City

Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Fr/Sa, 24 Uhr, www.berghain.de

NEU: Tresor, Köpenicker Straße 59 – 73, Mitte, Mi, Fr, Sa, 23 Uhr, www.modem-berlin.de

Rio, Chausseestraße 106, Mitte, je nach Veranstaltung, www.rioberlin.de

NEU: Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Straße 130, Kreuzberg je nach Veranstaltung, www.festsaal-kreuzberg.de


24/7 Partymarathon

NEU: Cookies im Westin Grand, Friedrichstraße / Ecke Unter den Linden, Mitte, Di/Do, 23 Uhr, www.cookies.ch

Sage, Köpenicker Straße 76, Mitte, Do-So, 23 Uhr, Tel. 27 89 83-0, www.sageclub.de

Roter Salon in der Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz 1, Mitte, Mo, 23 Uhr, Tel. 24065806, www.roter-salon.de

Dante, Am Hackeschen Markt, Mitte, Mo/Fr/Sa, 23 Uhr, Tel. 24 72 74 01, www.dante-club.de

NEU: Maxxim, Joachimstalerstraße 15, Charlottenburg, Mo, Fr/Sa, 22 Uhr, www.maxxim-berlin.de

Q-Dorf, Joachimstalerstraße 15, Charlottenburg, täglich ab 20 Uhr, Tel. 88 00 16 17, www.qdorf.de

Matrix, Warschauer Platz 18, Gewölbe 11, Friedrichshain, Mo-Sa, 22 Uhr, Tel. 29 36 99 90, www.matrix-berlin.de

Steinhaus, Straßburger Straße 55, Prenzlauer Berg, Mo, Di, Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 44 18 221, www.steinhaus-berlin.de

After Work Partys

Amber Suite im Ullsteinhaus, Mariendorfer Damm 1, Tempelhof, Mi, 18 Uhr, Do/Fr, 19 Uhr, Sa, 20 Uhr, Tel. 74 07 06 09, www.ambersuite.de

Adagio, Marlene-Dietrich-Platz 1, Mitte, Do, 19 Uhr, Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 25 89 89 0, www.adagio.de

Trompete, Lützowplatz 9, Do, 19 Uhr, Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 23 00 47 94, www.trompete-berlin.de

RAUS: Mein Lieblingstag, Knesebeckstraße 38/48, Charlottenburg, Do, 21 Uhr, www.lieblingstag.de

Russendisko

Kaffee Burger, „Russendisko“, Torstraße 60, Mitte, täglich ab 23 Uhr, Tel. 28 04 64 95, www.kaffeeburger.de

Rendezvous Party-Club, wechselnde Locations wie A-Lounge, Felix, Berlin Bar,
www.r-party-club.de

Oxymoron, Hackesche Höfe an der Rosenthaler Straße 40/41, Mitte, Fr/Sa, 23 Uhr, Tel. 28 39 18 86, www.oxymoron-berlin.de

Panther, Rosenthaler Straße 68, Mitte, Fr/Sa, 23 Uhr, www.panther-berlin.de

CSSR, Torstraße 136, Mitte, täglich ab 20 Uhr

Cascade, Fasanenstraße 81, Charlottenburg, Fr/Sa, 22 Uhr, Tel. 31 80 09 40,
www.cascade-club.de

Rodina, Holzmarktstraße im S-Bahnhof Jannowitzbrücke, Mitte, Fr/Sa ab 23 Uhr, www.rodina-club.de

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